Gemeinsame Immobilie nach Trennung, Scheidung etc.

Die erste eigene Wohnung, oder gar das „erste“ eigene Haus stellt mit Sicherheit für jeden Käufer eine große Freude dar, besonders jedoch, wenn man diese Freude mit einer Person teilen kann.

Da menschliche Beziehungen und deren Verluste allerdings zum Leben dazugehören und genauso wenig langlebig wie die Wohnzeit in einer Immobilie sein können, muss zusammen mit dem Ende der Partnerschaft auch das Ende des gemeinsamen Partnereigentums bewusst und bedacht umgegangen werden.

In diesem Ratgeber sollen Sie bei Interesse oder Bedarf Unterstützung durch uns finden. Wir geben ihnen hiermit Hinweise über weitere Nutzungsmöglichkeiten ihrer gemeinsamen Immobilie, über Beachtenswertes, sowie mögliche Fehler, in die Sie sich bei diesem unangenehmen Thema begeben könnten.

Möglichkeiten:

  • Weiterverkauf der gemeinsamen Immobilie unter Berücksichtigung des gemeinsamen Einverständnisses der Ehe- oder Beziehungspartner (beide Parteien müssen dem Verkauf zustimmen, ansonsten nicht möglich!) und dem verpflichtenden Ausgleichen von eventuellen finanziellen Belastungen der Immobilie durch den Verkaufserlös (meist fairste und damit sinnvollste Variante)
  • Übernahme des Wohneigentums samt möglicher finanzieller Belastungen der Immobilie durch einen Einzelnen der ursprünglichen Eigentümer
  • wenn möglich, Aufteilung des Wohnbestandes in mehrere eigene Eigentumsbestände für beide Partner (z. B. bei Mehrfamilienhaus)
  • sog. Teilungsversteigerung (amtlich durchgeführte Auseinandersetzung des Wohnbestandes) bei beeinträchtigenden Kommunikationsproblemen der Eigentümer. Dabei wird die Immobilie an den Meistbietenden versteigert. Der Antrag wird beim zuständigen Amtsgericht gestellt, welches dann einen Sachverständigen mit der Versteigerung beauftragt. Verlustrisiko!

Zu Beachtendes:

  • Rechtsangelegenheiten bezüglich der Immobilie bleiben unabhängig von der Ehe
  • bei Bedarf kann man auf einen Fachanwalt für Familiengericht zugreifen
  • Steuerberater/ Finanzamt kontaktieren, ggf. fällt Spekulationssteuer bei einem Verkauf an
  • freiwilliger Auszug der Ehepartner ist jederzeit möglich. Auszug mit minderjährigen Kindern jedoch nur mit der Zustimmung des verbleibenden Ehepartners.
  • pauschal besteht kein Recht auf gegenseitige Forderung zum Auszug des anderen aus dem Wohnbestand. Ein Familiengericht kann jedoch die Zuweisung der Immobilie an einen der Eigentümer beantragen, wenn es nötig ist, um unzumutbare Situationen zu vermeiden (§ 1361 b BGB)
  • gemeinsames Eigentum an der Immobilie besteht weiterhin und lässt keine alleinbestimmten Entscheidungen über die Nutzung der Immobilie zu
  • der Ehepartner, der im Haus weiterhin verweilt, hat seine Verbrauchskosten auch selbst zu zahlen
  • die Entscheidung wer nach der Trennung z. B im gemeinsamen Haus wohnen bleibt, hat auch Einfluss auf die Höhe von Ehegatten und Kindesunterhalt.
  • Kinder als Wohnpartei nicht vergessen, in die Entscheidungen möglichst mit einbeziehen

Mögliche Fehler oder Risiken: 

  • zu langes Warten mit den grundsätzlichen Entscheidungen, Verzicht aus neutralen Rat oder Fachanwalt
  • kurzfristiges Klären notwendig, ob das Haus ggf. von einer Partei finanzierbar ist
  • Anfallen von Unkosten bei unrechtzeitigem Stellen von Anträgen, Ansprüchen, etc. Ebenso Dokumente (zumindest Kopien) über die Immobilie möglichst frühzeitig bereit halten
  • Teilungsversteigerung kann großen, finanziellen Verlust aufbringen, wenn die Immobilie zu einem Preis verkauft wird, der weit unterhalb seines eigentlichen Werts liegt